Alkohol-Testkäufe zeigen Wirkung

Im Kanton St. Gallen fehlt eine gesetzliche Grundlage für polizeilich begleitete Alkohol- und Tabak-Testkäufe. Die Fachstelle Jugendschutz bietet daher Monitoring-Testkäufe an. Ziel ist, Betriebe und Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und so die Verstossquote zu senken. Nun liegen die Auswertungen aus den Jahren 2012 bis 2016 vor: Mehr als die Hälfte aller St.Galler Gemeinden nutzen das Angebot. Die durchschnittliche Verstossquote liegt bei 33 Prozent. Am meisten Handlungsbedarf gibt es im Bereich Events.

Seit 2012 können Gemeinden im Kanton St.Gallen Monitoring-Testkäufe durchführen lassen. Dies ist Angebot der Fachstelle Jugendschutz bei ZEPRA Prävention und Gesundheitsförderung, einer Abteilung des Amts für Gesundheitsvorsorge im Gesundheitsdepartement St.Gallen. Da es im Kanton St.Gallen aktuell keine gesetzliche Grundlage gibt, können fehlbare Betriebe nicht gebüsst werden. Allerdings sind auf nationaler Ebene parlamentarische Bestrebungen im Gange, Testkäufe gesetzlich zu verankern. Bis es soweit ist, ist das Ziel der Aktionen in St.Gallen, die Verkaufsstellen-Mitarbeitenden und die Öffentlichkeit für das Thema Jugendschutz zu sensibilisieren und die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen zu verbessern. Bereits mehr als die Hälfte aller St. Galler Gemeinden macht bei den Monitoring-Testkäufen mit. «Das ist ein grosser Erfolg», sagt Kathrin Amann von der Fachstelle Jugendschutz. Sie ist bei ZEPRA für die Zusammenarbeit mit den Gemeinden im Bereich Jungendschutz und für die Koordination der Testkäufe zuständig. «Das Thema ist in der Öffentlichkeit besser verankert, das Bewusstsein für die Problematik geschärft.» Dafür sprechen auch die Zahlen: Zunehmend mehr Gemeinden erteilen den Auftrag für die Testkäufe. In den vergangenen fünf Jahren ist die Anzahl Testkäufe im Kanton von 65 pro Jahr auf über 260 angestiegen.

Verstossquote im Durchschnitt bei 33%

Durchgeführt werden die Testkäufe vom Blauen Kreuz St.Gallen-Appenzell, im Auftrag des St.Galler Gesundheitsdepartements. Eine erwachsene Begleitperson geht zusammen mit Jugendlichen unter 16 Jahren zu Tankstellen, Restaurants, Detailhandel-Geschäften und an Events. Aktuell gelingt es jedem dritten Jugendlichen, Zigaretten und Alkohol zu kaufen. Damit liegt St.Gallen zwar im Schweizer Durchschnitt, das Ziel ist allerdings noch nicht erreicht. «Die Verstossquote von 33 Prozent muss langfristig weiter sinken, bis sie zwischen 0 und 20 Prozent liegt», sagt Martina Gadient, Fachbereichsleiterin Sucht und Sexual Health des kantonalen Gesundheitsdepartements und in dieser Funktion auch verantwortlich für die Testkaufpraxis. Damit eine Reduktion der Verstösse gelingt, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Die Testkäufe müssen möglichst flächendeckend durchgeführt werden. Zweitens müssen sie in den Gemeinden regelmässig wiederholt werden, damit sie nachhaltig wirken. Einigen Gemeinden ist dies bereits gelungen. In Gossau, Mosnang, Jonschwil und Rüthi beispielsweise lag die Verstossquote 2016 bei Null.

Tankstellen, Detailhandel und Events im Vergleich

Aufschluss geben die Auswertungen der Testkäufe 2012 bis 2016 auch darüber, in welchen Betriebszweigen am meisten Aufklärungsbedarf besteht. Viel zu tun gibt es diesbezüglich etwa im Bereich «Events». Dort liegt die Verstossquote zwischen 50 und 70 Prozent. «Der Hauptgrund dafür ist, dass an Events oft Laien im Einsatz sind, die im Bereich Jugendschutz ungenügend geschult sind», sagt Martina Gadient. «Hier liegt die Verantwortung vor allem bei den Gemeinden. Sie könnten den Barbetreibenden beispielsweise nur dann eine Festbewilligung erteilen, wenn diese nachweisen können, dass die Mitarbeitenden geschult sind.» Im Kanton St.Gallen bietet die Fachstelle Jugendschutz kostenlose Schulungen an. Teilnehmen können sowohl fehlbare Betriebe als auch Verkaufsstellen, die die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten haben. Die Mitarbeitenden werden in der Schulung beispielsweise im sicheren und richtigen Verhalten bei der Abgabe von Alkohol und Tabakwaren an Jugendliche trainiert und unterstützt.

Am niedrigsten ist die Verstossquote bei den Tankstellen. Bei nur 6 Prozent aller Testkäufe gelang es den Jugendlichen, Alkohol oder Zigaretten zu kaufen. «Die Tankstellen schneiden so gut ab, weil sie seit längerem bereits durch die Erdölvereiniung getestet werden. Sie sind daher besonders auf das Thema Jugendschutz sensibilisiert», sagt Martina Gadient. Das Beispiel der Tankstellen bestätige daher auch die nachhaltige Wirksamkeit regelmässiger Testkäufe.

Restaurants, Bars, der Detailhandel und Kioske bewegen sich aktuell im 30-Prozent-Bereich. Hier konnte die Verstossquote unter anderem dank den wiederholten Tests gesenkt werden. Lag sie bei den Kiosken 2014 bei 70 Prozent, beträgt sie nun 28 Prozent. Bei den Restaurants und Bars wurde sie in derselben Zeit von 53 auf 34 Prozent gesenkt und im Detailhandel von 50 auf 28 Prozent.

Sucht im Erwachsenenalter vorbeugen

Testkäufe dienen dazu, den Schutz der Jugendlichen zu erhöhen. Denn je früher junge Menschen Suchtmittel konsumieren, desto grösser ist später das Risiko, abhängig zu werden. Die Testkäufe sind für die Gemeinden ein kostengünstiges Instrument, diesem Risiko entgegenzuwirken und gleichzeitig zu überprüfen, ob die Jugendschutzbestimmungen vor Ort eingehalten werden. Interessierte Gemeinden benennen zwischen sieben und zwölf zu testende Betriebe. Pro Gemeinde können zwei Testkauf-Serien pro Jahr durchgeführt werden. Entscheidet sich eine Gemeinde für die Testkäufe, werden die Verkaufsstellen darüber informiert. Sie erfahren allerdings nicht, wann genau Testkäufe durchgeführt werden. «Dieses Vorgehen hat gleich mehrere Vorteile. Die Verkaufsstellen werden nicht erst gerügt, wenn es zu spät ist, sondern sind bereits im Vorfeld der Testkäufe animiert, genauer hinzuschauen», sagt Kathrin Amann. Komme es dennoch zu einem Verstoss, könne der jeweilige Gemeinderat gemeinsam mit dem fehlbaren Betrieb nach Lösungen suchen. Verbessere sich die Situation nicht, könnte eine Konsequenz der Einzug des Wirtepatents sein. «Bei richtiger Schulung und Sensibilisierung soll es aber erst gar nicht so weit kommen.»

Kontakt:
Kathrin Amann, Fachstelle Jugendschutz, ZEPRA

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